Im Wettbewerb „Statistische Irrtümer“ haben wir unsere Leser aufgefordert, statistische Fehler und Lügen aus den Medien und anderen Veröffentlichungen zu suchen. Ziel war es NICHT die Medien vorzuführen, sondern zu zeigen, welche Fallen sich bei der Arbeit mit Daten ergeben können und wie wichtig deshalb ein sorgfältiger Umgang mit Zahlen ist! Im Folgenden finden Sie die preisgekrönten Einsendungen. Die Gewinner wurden mit vom Springer-Verlag bereitgestellten Buchpreisen belohnt. Weitere Informationen zum Wettbewerb finden sie weiter unten auf dieser Seite. 

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Das statistik2013-Team dankt herzlich für die Unterstützung durch Springer und wünscht viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln.

1. Platz: Rechnen mit Prozenten


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Diese preisgekrönte Einsendung zu einer Unsicherheit beim Rechnen mit Prozenten stammt von Thomas Zimmermann (Universität Trier). Es handelt sich um einen Ausschnitt aus einem in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienenen Interview. Der Fehler ist inzwischen korrigiert worden.

2. Platz: Bezugsgröße in der Prozentrechung

Die Ruhrnachrichten schreiben am 29. September 2005, mit Bezug auf eine Studie zu Gewichtsabnahme durch chirurgischen Eingriff:

"Durchschnittlich 40 Prozent ihres Übergewichts verloren die Patienten ..."

 

Die Hannoversche Allgemeine schreibt am 10. Januar 2006 mit Bezug auf dieselbe Studie:

"... die Teilnehmer konnten ihr Gewicht [...] um durchschnittlich 40 Prozent reduzieren"

 

Man stelle sich eine Person von ein Meter achtzig mit 130 kg vor, die:

1) Sonntag morgens an der Ruhr sitzt und Zeitung liest. Sie verspricht sich nur 20 kg Gewichtsverlust
(40% der 50 kg Übergewicht nach gängigem BMI).

2) Sonntag morgens in Hannover sitzt und Zeitung liest. Sie verspricht sich gewaltige 50 kg Gewichtsverlust.
(etwa 40% des Gewichts des Zeitungslesers).

 

Diese preisgekrönte Einsendung stammt von Rafael Weißbach (Universität Rostock). Wie aus der Pressemeldung der Universität Dortmund ersichtlich ist, haben die Ruhrnachrichten übrigens Recht.

 

Platz 3: Nebel und Gewitter

Nebel und GewitterScreenshot, http://www.mdr.de/mediathek/index.html, rechts: Maira Rothe

Maira Rothe in der Vorschau zu den Wetteraussichten im MDR Sachsenspiegl, 19.12.2012 (19:00-19:30):

„Da die Hochdruckwetterlage weiter anhält, müssen wir uns in den kommenden Tagen auch weiterhin auf Nebel oder Hochnebel einstellen, vor allem vormittags. Und statistisch gesehen ist Nebel gefährlicher für uns als ein Gewitter. Ungefähr 45 Menschen werden jährlich in Deutschland vom Blitz getroffen, dagegen kam es im letzten Jahr zu mehr als 700 Verkehrsunfällen, die durch Nebel verursacht wurden, denn in einer Nebelbank kann die Sichtweite nahezu auf Null absinken. Und wenn man da dann mit 100 km/h reinrauscht, ist das vergleichbar mit einem Piloten, der seine Maschine im Blindflug fliegt. Nur Flugzeuge sind für solche Fälle ausgestattet. Autos nicht, jedenfalls noch nicht. Die ausführlichen Wetteraussichten gibt es gleich.“

Daniel Tillich (Technische Universität Dresden), der diesen preisgekrönten Beitrag eigesendet hat, deckt gleich mehrere Ungenauigkeiten auf, die die Aussage, Nebel sei – statistisch gesehen – gefährlicher als Gewitter doch sehr fragwürdig erscheinen lässt.

  • Verglichen werden "ungefähr 45 Menschen jährlich" mit 700 Unfällen im letzten Jahr. Bei ersterem handelt es sich also scheinbar um einen Durchschnitt über die Jahre, bei letzterem um eine Zahl aus dem Jahr 2011.
  • Während man bei 45 vom Blitz getroffenen Menschen auch mit 45 Toten und Verletzten rechnen muss, enthält die Aussage, es habe 700 Nebel-verursachte Verkehrsunfälle gegeben noch keine Information darüber, wie viele Menschen dabei gestorben und verletzt worden sind.
  • Beim Vergleich wird nicht berücksichtigt, wie lange Menschen in Deutschland Nebel und Gewitter jeweils ausgesetzt sind.
  • Schließlich fehlt jede Information darüber, wie viele Verletzte und Tote es insgesamt aufgrund von Gewittern gibt. Schließlich stellen auch starker Regen, Hagel und Sturm in einem Gewitter Gefahren dar. 

Insgesamt war das also genügend statistischer Unsinn für einen wohlverdienten dritten Platz.

 

Wettbewerb: Statistische Irrtümer

Ausschreibungstext:

„Mit Statistik lässt sich alles beweisen!“ – so oder so ähnlich klingt es, wenn Unverständnis der statistischen Methodik und fehlende Relevanz der statistischen Schlussfolgerungen für das „richtige“, das eigene Leben zum Ausdruck gebracht wird. Es darf gekontert werden: Mit falsch berechneten, falsch verwendeten oder falsch interpretierten Statistiken lässt sich alles beweisen! Nur dass es eben falsch ist.

Leider wird im Zusammenhang mit Statistik in der Presse allzu häufig aus Unachtsamkeit, Unverständnis oder Unvermögen Des-Information statt Information betrieben. So staunt man darüber, dass die Linzer Führerscheinbesitzer die größten Alkoholsünder sind, Männer ihren Rasierern treuer sind als ihren Partnerinnen und höherer Schokoladekonsum in einem Land mehr Nobelpreisträger erzeugt. Nur dass das alles leider blanker Unsinn ist. Natürlich machen wir alle Fehler. Dies gilt auch für Presseberichte. Aber auf Grund der Wirkung von Falschmeldungen auf eine teilweise riesige Leserschaft muss bei allem, was in Printmedien geschrieben wird, wie für wissenschaftliche Veröffentlichungen besondere Sorgfaltspflicht gelten. Und genau gegen diese wird in Zusammenhang mit der Vermittlung statistischer Informationen leider allzu oft verstoßen.

In der Sektion „Statistische Irrtümer“ haben wir solche statistischen Fehler und Lügen aus den Medien und anderen Veröffentlichungen gesucht. Ziel war es NICHT die Medien vorzuführen, sondern zu zeigen, welche Fallen sich bei der Arbeit mit Daten ergeben können und wie wichtig deshalb ein sorgfältiger Umgang mit Zahlen ist!

 

Gute Beispiele für statistische Irrtümer finden sich auch auf den folgenden Seiten:

 

Gewinne:

Die Gewinner erhalten einen vom Springer-Verlag gesponsorten Buchgutschein im Wert von...

  • Erster Platz: 100,- Euro
  • Zweiter Platz: 70,- Euro
  • Dritter Platz: 50,- Euro